Es gibt keine „Krebspersönlichkeit“

Hartnäckig hält sich in weiten Teilen der Bevölkerung der Irrglaube, dass Krebserkrankungen bevorzugt einen bestimmten Persönlichkeitstypus heimsuchen. Entscheidend für das Krebsrisiko sind ganz andere Faktoren – zu denen psychische Belastungen ebenfalls nicht gehören.

Ein Hang zur Trübsal, soziale Hemmungen, Introvertiertheit, Angepasstheit: Dies sind Kennzeichen der sogenannten „Krebspersönlichkeit“. Menschen mit diesen Eigenschaften sollen, so lautet ein seit Jahrtausenden kursierendes Vorurteil, ein besonders hohes Krebsrisiko tragen. Eine Ansicht, die bereits Hippokrates vertrat.

Vielleicht hängt es mit der Berühmtheit seines Namens zusammen, dass auch heute noch viele Menschen an diese charakterliche Prädisposition glauben. Konkret: rund jeder vierte Deutsche, und zwar einschließlich der aktuellen und ehemaligen Krebspatienten und ihrer Angehörigen. So lautet ein Ergebnis einer repräsentativen Umfrage, die das Meinungsforschungsinstitut GfK kürzlich im Auftrag des Deutschen Krebsforschungszentrums durchgeführt hat. Der Titel der Studie lautet „Psyche und Krebs“.

Noch weit mehr Befragte, nämlich 61 Prozent, stimmten der Aussage „Seelische Probleme und Stress verursachen Krebs“ zu. Und sogar 84 Prozent sind überzeugt, dass eine „kämpferische“ Grundhaltung die Therapieaussichten bei einer Krebserkrankung maßgeblich beeinflusst.

Keine wissenschaftlichen Belege

All diese Annahmen ließen sich bisher nicht wissenschaftlich bestätigen. „Es gibt keine ‚Krebspersönlichkeit‘ – zumindest hat kein seriöser Forscher sie bis heute nachweisen können“, stellt die Dermatologin Dr. Sybille Thoma-Uszynksi, die in Berlin-Mitte praktiziert, klar. „Ebenso wenig ließ sich bislang ein Zusammenhang zwischen Krebsentstehung und psychischen Belastungen überzeugend belegen.“

Die Krebsvorsorge-Expertin verweist darauf, dass jede Krebserkrankung auf ein komplexes Ursachengeflecht zurückgeht, das sich von Krebsart zu Krebsart unterscheidet. „Bei schwarzem Hautkrebs beispielsweise konnte bislang nur die UV-Bestrahlung als maßgeblicher Risikofaktor zweifelsfrei identifiziert werden. Daneben spielen Hauttyp und Leberflecken/Muttermale eine Rolle, aber sicherlich nicht der Persönlichkeitstyp oder die Gemütsverfassung“, so Dr. Thoma-Uszynski weiter.

Auch dass eine positive und kämpferische Haltung die Erfolgschancen einer Krebstherapie beeinflussen kann, ist in der Forschung allenfalls umstritten. Erkrankte sollten sich daher in dieser Hinsicht nicht selbst unter Druck setzen, betonen die Studienautoren.

Das Praxisteam freut sich über engagierte Mitarbeiter (w/m)
für folgende Stellen (TZ/VZ):

Hartnäckig hält sich in weiten Teilen der Bevölkerung der Irrglaube, dass Krebserkrankungen bevorzugt einen bestimmten Persönlichkeitstypus heimsuchen. Entscheidend für das Krebsrisiko sind ganz andere Faktoren – zu denen psychische Belastungen ebenfalls nicht gehören.

Ein Hang zur Trübsal, soziale Hemmungen, Introvertiertheit, Angepasstheit: Dies sind Kennzeichen der sogenannten „Krebspersönlichkeit“. Menschen mit diesen Eigenschaften sollen, so lautet ein seit Jahrtausenden kursierendes Vorurteil, ein besonders hohes Krebsrisiko tragen. Eine Ansicht, die bereits Hippokrates vertrat.

Vielleicht hängt es mit der Berühmtheit seines Namens zusammen, dass auch heute noch viele Menschen an diese charakterliche Prädisposition glauben. Konkret: rund jeder vierte Deutsche, und zwar einschließlich der aktuellen und ehemaligen Krebspatienten und ihrer Angehörigen. So lautet ein Ergebnis einer repräsentativen Umfrage, die das Meinungsforschungsinstitut GfK kürzlich im Auftrag des Deutschen Krebsforschungszentrums durchgeführt hat. Der Titel der Studie lautet „Psyche und Krebs“.

Noch weit mehr Befragte, nämlich 61 Prozent, stimmten der Aussage „Seelische Probleme und Stress verursachen Krebs“ zu. Und sogar 84 Prozent sind überzeugt, dass eine „kämpferische“ Grundhaltung die Therapieaussichten bei einer Krebserkrankung maßgeblich beeinflusst.

Keine wissenschaftlichen Belege

All diese Annahmen ließen sich bisher nicht wissenschaftlich bestätigen. „Es gibt keine ‚Krebspersönlichkeit‘ – zumindest hat kein seriöser Forscher sie bis heute nachweisen können“, stellt die Dermatologin Dr. Sybille Thoma-Uszynksi, die in Berlin-Mitte praktiziert, klar. „Ebenso wenig ließ sich bislang ein Zusammenhang zwischen Krebsentstehung und psychischen Belastungen überzeugend belegen.“

Die Krebsvorsorge-Expertin verweist darauf, dass jede Krebserkrankung auf ein komplexes Ursachengeflecht zurückgeht, das sich von Krebsart zu Krebsart unterscheidet. „Bei schwarzem Hautkrebs beispielsweise konnte bislang nur die UV-Bestrahlung als maßgeblicher Risikofaktor zweifelsfrei identifiziert werden. Daneben spielen Hauttyp und Leberflecken/Muttermale eine Rolle, aber sicherlich nicht der Persönlichkeitstyp oder die Gemütsverfassung“, so Dr. Thoma-Uszynski weiter.

Auch dass eine positive und kämpferische Haltung die Erfolgschancen einer Krebstherapie beeinflussen kann, ist in der Forschung allenfalls umstritten. Erkrankte sollten sich daher in dieser Hinsicht nicht selbst unter Druck setzen, betonen die Studienautoren.