Therapeutische Hautkrebs-Impfung offenbar vor dem Durchbruch

Lange galt es als unmöglich, Hautkrebs mit einer Impfung zu bekämpfen. Doch die Krankheitsentstehung ist mittlerweile so gut erforscht, dass der alte Traum bald verwirklicht werden könnte.

Die Hautkrebs-Forschung hat in den letzten Jahren riesige Fortschritte vollzogen. Das gilt insbesondere für die sogenannte Impfung, genauer: die Krebs-Immuntherapie. Im Gegensatz zum landläufigen Verständnis einer Impfung handelt es sich nicht um eine vorbeugende Maßnahme, sondern, wie der Fachbegriff schon zum Ausdruck bringt, um eine Therapie bei bereits eingetretener Erkrankung. Impfung wird die Methode genannt, weil das Immunsystem – wie bei einer präventiven Impfung – konkret für den schädlichen Eindringling sensibilisiert wird.

„Mit der Krebs-Immuntherapie konnten bereits erfreuliche Behandlungserfolge erzielt werden, insbesondere beim schwarzen Hautkrebs“, berichtet Dr. Sybille Thoma-Uszynski, die als Hautärztin in Berlin-Mitte niedergelassen ist. „Der bislang vorherrschende Fokus auf die Immuncheckpoint-Inhibitoren – die sozusagen die ‚Bremsen‘ im Immunsystem lösen, damit es schlagkräftiger im Kampf gegen die Krebszellen wird – hat aber einen Nachteil: Bei dieser Therapie kommt es bei einigen Patienten zu gravierenden Nebenwirkungen. Das Immunsystem richtet sich dann auch gegen gesunde Organe.“

Antigenspezifisch heißt: gezielt

Die Lösung für dieses Problem liegt darin, das Immunsystem gezielt auf die Zellen anzusetzen, die durch die Krebserkrankung Veränderungen aufweisen. Das geschieht bei der antigenspezifischen Immuntherapie, die folglich weniger Nebenwirkungen mit sich bringt. Für die entsprechende Sensibilisierung muss der Impfstoff allerdings für jeden Patienten individuell hergestellt werden, da sich die Charakteristika von Tumorzellen von Mensch zu Mensch unterscheiden können. Dadurch wird das Verfahren langwierig und teuer.

Kürzlich jedoch haben Forscher der Universität Mainz vermeldet, eine Methode zur Automatisierung der individuellen Impfstoff-Herstellung erfolgreich getestet zu haben. Damit rückt die Einsatzfähigkeit in der breiten Praxis in greifbare Nähe. Überdies ist es den Wissenschaftlern gelungen, die Wirksamkeit des Impfstoffs deutlich zu steigern. Einstweilen steht die weiterentwickelte antigenspezifische Krebs-Immuntherapie nur ausgewählten Patienten im Rahmen klinischer Studien offen. In wenigen Jahren könnte sie jedoch schon Standard in der Hautkrebs-Behandlung sein.